Was ist Prisma auf Ihrer Verordnung?
Der größte Teil einer Verordnung korrigiert, wie scharf Sie sehen. Prisma korrigiert etwas anderes — wohin Ihre Augen zielen. Es steht nur auf einer Minderheit der Verordnungen, und wenn, dann immer mit einer Richtung namens Basis.
Was es bewirkt
Ein Prisma verändert die Schärfe nicht; es verschiebt das ganze Bild seitlich oder senkrecht. Zielen Ihre beiden Augen nicht exakt auf denselben Punkt, muss das Gehirn arbeiten, um zwei leicht verschiedene Bilder zu verschmelzen — und wenn ihm das nicht mühelos gelingt, entstehen Belastung, Kopfschmerz oder Doppelbilder. Das Prisma schiebt das Bild dorthin, wohin das Auge ohnehin blickt, damit beide ohne Anstrengung übereinstimmen.
Die beiden Werte
Wie weit das Bild verschoben wird. Geschrieben als Zahl mit Dreieck, z. B. 2Δ. Üblich sind 0,5 bis 4Δ; größere Werte machen Gläser dick und schwer, weshalb größere Fehlstellungen meist anders behandelt werden.
Wohin die dicke Kante des Prismas zeigt und damit, wohin sich das Bild bewegt. Geschrieben als BI (Basis innen, zur Nase), BA (Basis außen, zur Schläfe), BO (Basis oben) oder BU (Basis unten).
Warum es auftaucht
Häufige Gründe sind eine latente Tendenz der Augen abzuweichen (eine Phorie), die mit Alter oder Müdigkeit symptomatisch wird, Konvergenzschwäche beim Lesen sowie Stellungsänderungen nach Augenmuskeloperationen oder einem neurologischen Ereignis. Manchmal wird Prisma auch vorübergehend eingesetzt und später reduziert.
Besonders beobachtenswert
Prisma ist der Teil einer Verordnung, bei dem eine Veränderung die größte klinische Bedeutung hat. Ein kleines, über Jahre stabiles Prisma ist unauffällig; eines, das plötzlich auftritt oder stetig wächst, ist genau das Muster, das eine Augenärztin mit Datum dokumentiert sehen will. Steht es auf Ihrer Verordnung, gehört es in Ihre Akte — mitsamt der Basisrichtung, die leicht verloren geht und sich später nicht rekonstruieren lässt.